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	<title>Allgemein &#8211; Meditation &#8211; Margrit Wenk-Schlegel</title>
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	<description>Meditation mit der Kontemplationslehrerin</description>
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	<title>Allgemein &#8211; Meditation &#8211; Margrit Wenk-Schlegel</title>
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		<title>Mich dürstet nach der Quelle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Sep 2025 09:31:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Impulse aus kontemplativer Praxis und Lebenserfahrung erschienen in: inspiration Zeitschrift für christliche Spiritualität und Lebensgestaltung/ ISSN:2366-2034, Heft 1-2.25 Kurz vor seinem Sterben am Kreuz rief Jesus: „Mich dürstet“. Drückte er [&#8230;]]]></description>
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<p><strong>Impulse aus kontemplativer Praxis und Lebenserfahrung</strong></p>



<p><em>erschienen in: inspiration Zeitschrift für christliche Spiritualität und Lebensgestaltung/ ISSN:2366-2034, Heft 1-2.25</em></p>



<p>Kurz vor seinem Sterben am Kreuz rief Jesus: „Mich dürstet“. Drückte er damit ein körperliches Verlangen aus oder war es die Sehnsucht, aus seiner Erfahrung der Gottverlassenheit erlöst zu werden und wieder die Verbundenheit mit der Quelle allen Lebens zu erfahren? Wir wissen es nicht. Das Leben von Jesus war durchdrungen von der Tiefenerfahrung der Einheit, die er ausdrückte mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins“<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a>. Und am Kreuz dann die Seelennot in der Frage: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“?<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> Kann man sich tieferen Schmerz&nbsp; vorstellen, als die Verlassenheit im Erleben, aus dieser Einheit herausgefallen zu sein?<br>In der Zeit seines Wirkens erlebte Jesus eine Begegnung mit einer Frau am Jakobsbrunnen. Er bat &nbsp;die Frau aus Samaria, ihm Wasser zu schöpfen um seinen körperlichen Durst zu stillen. Mit dem Becher in der Hand wies er darauf hin, dass der Durst des Leibes immer wieder zurückkehrt, dass er aber ein Wasser schenken kann, das unseren Durst für immer stillt: Ein Wasser, das die wohl tiefste Sehnsucht des Menschen nach Verbundenheit mit der Quelle allen Lebens stillt, ein Wasser, das auch uns ganz gewöhnliche Mensch erkennen lässt: &nbsp;Der Vater und ich sind eins.</p>



<p>In meiner Zenschulung &nbsp;wurde die Sehnsucht, &nbsp;die Menschen in eine intensive Suche nach der Essenz allen Lebens treibt, ‚Durst‘ genannt. Ja, es braucht einen grossen Durst, um stundenlang, tagelang, wochenlang in der Schweigemeditation zu sitzen, oft verbunden mit Schmerzen. Und doch treibt &nbsp;viele Meditierende ein existentielles Müssen, diesen Erfahrungsweg zu gehen, der uns so unbeschreiblich viel schenkt, auch wenn er sehr viel von uns abverlangt. Das erlebe ich auch als Kontemplationslehrerin in der Begleitung von Menschen. Der Weg in die eigene Tiefe ist nicht immer ein Honiglecken, denn er führt, nebst den zutiefst beglückenden Erfahrungen durch die Abgründe des Menschseins in der Begegnung mit dem eigenen Schatten und durch das ‚Abschälen‘, wie die christliche Mystik es nennt. Johannes von Kreuz hat von der dunklen Nacht der Seele geschrieben, in der alle vermeintlichen Sicherheiten abfallen und die innere Führung nicht mehr gespürt werden kann. In solchen Phasen muss der Durst gross sein um auf diesem herausfordernden&nbsp; &#8211; und doch zutiefst beglückenden &#8211; Weg zu bleiben.<br>Ein Text aus dem Tagebuch, geschrieben in einer Wüstenzeit:</p>



<p>Meine Kraftlosigkeit aushalten<br>weitergehen im Nebel<br>unauffindbar das Ziel<br>nur das leise Sehnen<br>der Seele ahnt die Spur.</p>



<p>Schleppende Schritte des Nichtwissens<br>aushalten.</p>



<p>Mich führen lassen<br>ohne Führung zu spüren<br>in der Wüste des Nebels.<br>Grau und einsam die Schritte.</p>



<p>Meine Dunkelheit aushalten.</p>



<p>Die Sehnsucht nach Licht<br>leise &#8211; mehr Ahnung als Sehnen &#8211;<br>spinnwebengleich.</p>



<p>Tastendes Suchen des Nichtwissens.</p>



<p>All meine Trockenheit hinhalten.<br>Hoffend, DICH in der Öde<br>meines Herzens zu finden.</p>



<p>Hinhalten &#8211; mich hinhalten<br>zur Wandlung.</p>



<p>In solch schmerzhaften Phasen des Weges ist es gut, begleitet zu sein von einer erfahrenen Person, die weiss, dass diese Wüstenerfahrungen Wegstrecken sind, die uns formen und immer tiefer hineinverwandeln in das, was wir im Tiefsten sind: Ausdruck der göttlichen Liebe, Mensch geworden.</p>



<p>‚Alles beginnt mit der Sehnsucht,<br>immer ist im Herzen Raum für mehr,<br>für Schöneres, für Größeres‘.<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a></p>



<p>Diesen Satz von Nelly Sachs erlebe ich in der Rückschau auf mein Leben und auch in den heutigen Prozessen. Von klein auf war ich ein sogenanntes Heimwehkind. Es quälte mich nicht das Heimweh nach meinen liebevollen Eltern sondern das Sehnen nach der geistigen Heimat, aus der ich kam und von der ich meinte, sie durch die Inkarnation verloren zu haben. Nicht verwunderlich, dass eine Krankheit entstand, die mich immer wieder in die Todesnähe und in Nahtoderfahrungen brachte. So wurde ich zu einer Grenzgängerin zwischen Leben und Tod – aus Sehnsucht nach der wahren Heimat. Damals glaubte ich noch, sterben zu müssen um heimzukommen &#8211; und das auch noch nach der letzten Nahtoderfahrung.<br>Ein Tagebucheintrag von diesem Erleben:<br>„Drei Wochen nach der Geburt unseres zweiten Kindes in Kolumbien setzen ganz starke Nachblutungen ein. Ich rufe nach Hilfe und werde ins Spital gebracht. Die Blutung ist nicht zu stillen, rasch werde ich in den Operationssaal gefahren. Das letzte, was mein Mann Charlie und ich noch hören ist der Ausruf der Krankenschwester: „Schnell, diese Frau  stirbt“! Mein Mann muss Blutspender suchen, sonst bekomme ich kein Blut. Der Arzt beginnt mit der Kürettage, bevor die Narkose wirkt. Ich tauche weg, versinke in Dunkelheit. Keine Ahnung, wie lange ich dort war, kein wahrnehmendes Bewusstsein, Bewusstlosigkeit. Da, ein plötzliches Auftauchen in eine Erfahrung, für die alle Worte zu schwach und zu eng sind. Ich bin angekommen in meinem Daheim. Totales Drin-sein im Licht, in einer unbeschreiblichen Licht-Liebe. Ganz drin-sein und gleichzeitig durchflutet werden von einer unbeschreiblichen Liebe. Ich weiss, diese Liebe ist die Erfüllung aller Sehnsucht. Baden in dieser Liebe, sie trinken, aber gar nichts tun als diese Licht-Liebe wahrnehmen – und das bei ganz klarem Bewusstsein. Ich bin drin, ich bin erfüllt, ich bin geliebt und liebe, bin ganz daheim. Ein Aufgehoben-sein im Ganz-Grossen, in der unendlichen Liebe. Keine Frage, kein Erstaunen, nur unbeschreibliches Glück, Liebe, Leichtigkeit, Wärme&#8230;.. Irgendwie sind da auch Klänge. Aber nicht hörbar, denn alles ist Schwingung von Licht. „Tönt“ Liebe so?<br>Ich bin trunken von Glück. Da ist kein Gegenüber, nur Liebe und trotzdem weiss ich, dass ich gemeint bin.<br>Es ist wie ein Schweben in den „Wolken“ von warmer Licht-Liebe. Jubel, Dankbarkeit in mir. Ein tiefes Zugeneigt sein, Trunkenheit &#8211; unbeschreiblich! Plötzlich, völlig unvorbereitet sehe ich durch ein quadratisches Loch auf die Erde. Ich bin erstaunt, auch in der Erfahrung, über diese quadratische Form. Sie passt überhaupt nicht in diese Umgebung. Durch dieses Loch sehe ich meinen Mann Charlie mit den beiden kleinen Kindern bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen Kloten, meine Eltern schwarz angezogen vor der Glaswand. Ich spüre ihren gewaltigen Schmerz. Grenzenlose Liebe zu diesen Menschen und eine unbeschreibliche Entschiedenheit und Kraft durchfährt mich. Wilder Aufruhr in mir. „Nein, Gott!“, schreie ich ohne Klang aber mit wilder Kraft, „nein, ich kann nicht bleiben &#8211; noch nicht. Jetzt noch nicht, ich muss zurück, ich kann sie nicht allein lassen!“ Ich weiss, es wäre wunderbar, zu bleiben, ganz einzutauchen in die Glückseligkeit, aber ich kann es trotzdem nicht, ich will es nicht! Mit aller Kraft zieht es mich zurück ins irdische Leben. Die Liebe zieht. Da ist niemand, der mich zurückhalten würde, niemand, die mich schickt, da ist nur absolut klare Entschiedenheit und Liebe in mir. Auch keine Frage, wo es mir besser gefallen würde. Nur wilde Entschiedenheit und Liebe.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td></td></tr></tbody></table></figure>



<p>Diese beiden Kräfte sind das Letzte, was ich bewusst erfahre – danach tauche ich irgendwann im Aufwachsaal auf. Auferstehung ins irdische Leben. Tränen der Dankbarkeit und der tiefen Berührung über das Erfahrene und über das Geschenk des neuen Lebens. Langsames Auftauchen in diese neu geschenkte Wirklichkeit. In diesem Auftauchen werde ich von der Krankenschwester gefragt, ob ich das schreiende neugeborene, schwarze Büblein stillen würde, seine Mutter könne es nicht. Ich denke nicht an die Narkosemittel, die noch in mir drin sind und willige schlaftrunken ein. Der kleine Krauskopf trinkt gierig und holt mich damit ganz in meinen Körper zurück. Er schläft nachher viele Stunden lang&#8230; meine Narkose hat nachgewirkt – und ich hoffe fest, dass sie ihm nicht geschadet hat.“</p>



<p>Und doch, auch nach dieser prägenden Erfahrung blieb ein Gefühl des Getrenntseins von Gott, der Quelle allen Lebens. Es blieb eine ziehende Sehnsucht nach dem Wesen aller Dinge. Dieses nach Innen-gezogen-werden äusserte sich im starken Wunsch nach Stille. Noch sehnte sich mein Herz nach der Essenz allen Lebens, obwohl ich sie in den Nahtoderfahrungen in mir erlebt hatte, noch schienen mir Gott und Schöpfung getrennt. Oder war es stärker so, dass das, was ich suchte, mich suchte?</p>



<p>Charlie, mein Mann unterstützte mich in diesem Durst nach dem Urgrund allen Lebens und ermöglichte mir eine jahrelange Zenschulung und anschliessend die Ausbildung zur Kontemplationslehrerin, indem er in meinen Abwesenheiten unsere drei Kinder allein übernahm.</p>



<p>Die Stille schält uns, Vorstellungen und Identifikationen lösen sich auf, entstehen neu, lösen sich erneut auf bis ins Hineinfallen in Erfahrungen, für die es kaum Worte gibt. Doch gehört es in den Prozess der Integration, Worte zu finden für das Unsagbare:</p>



<p>Dort,<br>wo Gott keinen Namen mehr hat,<br>nicht mehr Gott,<br>auch nicht DU.</p>



<p>Dort am ortlosen Ort<br>in unserem Herzen,<br>wo nichts ist und alles,</p>



<p>Dort, wo alles Werden<br>schon immer Sein war,</p>



<p>Dort gibt es nur noch<br>das wortlose JA.<strong><em>   </em></strong></p>



<p>Dass ich Menschen in der Schweigemeditation in ihre Tiefe begleiten darf, erlebe ich als grosses Privileg. Was für ein Geschenk ist es doch, wenn Menschen ihre Sehn-sucht bewusst wahrnehmen und sie nicht fehlgeleitet in Sucht zu befriedigen suchen! Manche Menschen werden durch Schicksalsschläge und Not auf den inneren Weg geführt, andere spüren, dass etwas mehr existieren muss als ein noch so erfüllter Alltag, wieder andere suchen in der Stille nach Antworten auf brennende Fragen oder wollen sich selbst erforschen und erfahren dabei das, was Theresa von Avila immer wieder betont hat: keine Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis. Bei vielen Meditierenden ist der Durst nach der Quelle gross. So schreibt die Kontemplationsschülerin Ingrid Wälti:<br>&nbsp;„Das Gefühl, das wir Sehnsucht nennen, kennen Menschen sehr gut, die notgedrungen ihre Heimat verlassen mussten. Diese Form der Sehnsucht nennen wir Heimweh. Ist unsere spirituelle Sehnsucht nicht ebenso Heimweh nach unserer geistigen Heimat, die uns ruft?&nbsp; Dieser Ruf lässt uns immer wieder unsere Widerstände und unsere Trägheit überwinden und uns je neu auf das Strömen dieser Urkraft, die wir gemeinhin mit &#171;Gott&#187; bezeichnen, eintreten. So gesehen ist unsere Sehnsucht Chance und Geschenk, oder vielleicht könnte man auch sagen, sie ist unsere spirituelle Nabelschnur, die uns je neu in die Beziehung ruft und die uns nährt“.</p>



<p>Das Sitzen in der Stille ist also ein Heimweg aus aller Äusserlichkeit in ein inneres Erleben, in eine Öffnung des Bewusstseins in die grenzenlose Weite des Urgrundes. Das Zazen, die Schweigemeditation des Zen, ist das Kernstück unserer Form der Kontemplation via integralis, die Zen und christliche Mystik verbindet. Wir üben die gegenstandslose Meditation. Alle Bilder und Vorstellungen werden losgelassen und die klare Gegenwärtigkeit wird immer intensiver erfahren. Wenn eine Gruppe von Meditierenden miteinander über Tage mit Hingabe in der Stille sitzt, ist mir der Satz von Meister Eckehart immer ganz nah: „Es ist eine Kraft in der Seele, die ist weiter als die ganze Welt. Es muss gar weit sein, worin Gott wohnt“. <a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a>In dieser erfahrenen Weite erleben die Meditierenden auf eine intensive Weise die Verbundenheit allen Lebens, &nbsp;ja die Einheit mit dem Urgrund, den wir Gott nennen. Daraus entsteht ganz natürlich der Wunsch, dass alle Wesen in Glück und Frieden leben können und dass wir unseren ganz persönlichen Beitrag dazu leisten wollen. Im Alltag zeigt sich, wie prägend eine Einheitserfahrung war: Kann ich, christliche ausgedrückt, Christus in jedem Gegenüber erkennen? Weiss ich in meinem Herzen, dass die Menschen, die oft unter unmenschlichen Bedingungen unsere günstig zu kaufenden Kleider herstellen, genauso Ausdruck der göttlichen Liebe sind wie wir? Drängen mich die tiefinneren Erfahrungen in eine bewusste Verhaltensänderung? Wie kann ich, ganz persönlich, mich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen? Woran erkennt man ‚erwachte Menschen‘? Ich meine, sie müssten erkennbar sein an ihrem Durst nach Leben in Fülle für alle Wesen und an ihrer Sehnsucht nach einer von Egozentrik erlösten und friedvollen Welt.<br>Innerlichkeit will und muss sich äussern. So stellt sich nach jeder Tiefenerfahrung die Frage, wie das Erlebte in den Alltag umgesetzt werden kann. So ganz im Sinn eines Koans der Zentradition: Alltag ist der Weg! Oder wie es die moderne „Mystikerin der Strasse“ Madeleine Delbrêl ausdrückt: <strong><br></strong>„Geht in euren Tag hinaus ohne vorgefasste Ideen,<br>ohne die Erwartung von Müdigkeit,<br>ohne Plan von Gott, ohne Bescheidwissen über ihn,<br>ohne Enthusiasmus, ohne Bibliothek &#8211;<br>geht so auf die Begegnung mit ihm zu.<br>Brecht auf ohne Landkarte &#8211; und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist<br>und nicht erst am Ziel.<br>Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,<br>sondern lasst euch von ihm finden in der Armut eines banalen Lebens.“<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a><br>Margrit Wenk-Schlegel&nbsp;&nbsp;</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Joh 10.30<br><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Mt 27,46<br><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Sachs, Nelly; Eli. Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels<br><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Döll, Ermin, Wege der Meister l, 1988<br><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Delbrêl, Madeleine; Gott einen Ort sichern. Topos 2010, S 39</p>
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		<title>Ausrichtung der Kräfte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Oct 2022 14:59:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Regula Tanner und Margrit Wenk-Schlegel,spirituelle Leitung der via integralis Die erschütternden Ereignisse der letzten Monate zeigen, wie viel in unserem Menschheitsbewusstsein noch fehlt, bis sich die Illusion des Getrenntseins aufgelöst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://viaintegralis.ch/wp-content/uploads/2022/03/vi-NL_13_Bild-Erde.jpg" alt="Der Planet Erde, aufgenommen aus dem All"/></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Regula Tanner und Margrit Wenk-Schlegel,<br>spirituelle Leitung der via integralis</h2>



<p>Die erschütternden Ereignisse der letzten Monate zeigen, wie viel in unserem Menschheitsbewusstsein noch fehlt, bis sich die Illusion des Getrenntseins aufgelöst hat und wir uns als eins mit allem Leben erfahren.&nbsp;</p>



<p>Der Krieg in unserer Nähe kann unseren Blick auf dieses Ereignis einengen oder uns aufwecken, die vielen gewaltvollen Konflikte in der Welt wahrzunehmen. Krieg entsteht aus der Illusion der Trennung. Aus der Erfahrung der Einheit wollen wir dem Leben dienen –&nbsp;als Ausdruck unseres wahren Wesens. Damit die dadurch freiwerdenden Energien in eine lebensfördernde Richtung gelenkt werden, brauchen wir eine verbindliche Ethik.&nbsp;</p>



<p>Der Blick in die Welt ist somit ein Blick ins menschliche Bewusstsein und zeigt uns, wie Not-wendend es ist, zu erwachen und all unsere Kräfte auf Liebe, Frieden und Gerechtigkeit auszurichten.&nbsp;</p>



<p>Menschen auf dem Weg der Kontemplation via integralis rezitieren täglich den Text der Ausrichtung der Kräfte. Er entstand 2011 in der ersten Gruppe von Lehrenden als Antwort auf die Frage, auf welche ethische Grundlage wir unsere Meditationspraxis stellen. Da einzelne Textstellen nie ganz zur Ruhe kamen, bildete sich im September&nbsp;2019 eine Arbeitsgruppe, um neue Formulierungen für diese Stellen zu finden. Nach tiefgreifender Auseinandersetzung mit den dahinter liegenden Themen und intensivem Ringen um stimmige Ausdrucksformen entstand nachfolgender Text, der im Februar&nbsp;2022 in der Jahresversammlung der Lehrenden der via integralis als verbindlich angenommen wurde:</p>



<p><strong>Ausrichtung der Kräfte</strong></p>



<figure class="wp-block-table"><table><tbody><tr><td><strong>Eins mit DIR,<br></strong>Urgrund allen Lebens,&nbsp;<br>diene ich der Menschheit,&nbsp;&nbsp;<br>der Erde und dem Kosmos.&nbsp;&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Mit liebendem Herzen&nbsp;&nbsp;<br></strong>setze ich mich ein&nbsp;&nbsp;<br>für Gerechtigkeit und Frieden in mir,&nbsp;<br>in meinen Beziehungen und<br>in der Welt<br>und achte alle Dimensionen der Schöpfung.&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Zum Wohle leidender Wesen</strong><br>in Armut, Gewalt und Schmerz<br>verkörpere ich Mitgefühl<br>und traue der göttlichen Weisheit in mir.&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Achtsam lebe ich&nbsp;<br></strong>Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander<br>von Menschen aller Geschlechter,<br>Religionen und Kulturen,<br>Technik und Natur.&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Ich bin bereit,</strong>&nbsp;&nbsp;<br>in Verantwortung für kommende Generationen&nbsp;<br>den Weg des Erwachens zu gehen,&nbsp;<br>Glück und&nbsp;Mühsal des Wachsens anzunehmen&nbsp;<br>und wahrhaft liebend zu werden.&nbsp;&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Göttlicher Urgrund&nbsp;</strong>&nbsp;<br>lass mich erfahren,&nbsp;<br>dass Dein ICH BIN&nbsp;<br>mein ICH BIN ist.&nbsp;&nbsp;</td></tr></tbody></table></figure>



<p>Mit der Rezitation dieses Textes aktivieren wir das Bewusstsein der Einheit mit dem Urgrund allen Lebens. Unsere Wesensnatur ist das EINE, form- und gestaltlos, welches sich in jeder Form und Gestalt zeigt. Mit der Bekräftigung dieser Ureinheit beginnen wir die Rezitation und beten doch am Schluss um die Erfahrung dessen, was schon ist. Unsere Wesensnatur ist das EINE und gleichzeitig braucht es den Weg des Erwachens. Im grossen ICH&nbsp;BIN wird jedes Gefangensein im kleinen egozentrischen Ich überstiegen. Aus dieser erfahrenen Einheit setzen wir unsere Kräfte ein und gestalten das Leben und die Welt, damit das Reich Gottes erfahrbar werde für alle.</p>



<p>Von der konkreten Ausrichtung unserer Kräfte im Dienste des Lebens handeln die mittleren vier Abschnitte des Textes. Wir pflegen ganz bewusst die in uns angelegten Samen von Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Mitgefühl, Weisheit, Achtsamkeit und Achtung in allen Lebensbereichen:</p>



<p>Mit liebendem Herzen&nbsp;setzen wir uns für Gerechtigkeit und Frieden in uns selbst und nach aussen ein. Im Wissen um die Einheit allen Lebens erkennen wir, dass unser Bewusstsein, unser Tun und Lassen Auswirkungen hat auf unsere Beziehungen und auf die Weltsituation.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Mit dem Verb ‚achten‘ versprechen wir einen achtsamen, respektvollen, würdigenden, auch schützenden und wertschätzenden Umgang mit allem, was wir in den verschiedensten Dimensionen des Lebens vorfinden. Das entspricht unserer Praxis der Achtsamkeit. Damit drücken wir aus, dass wir nie die ganze Schöpfung wahrnehmen können: Wir sehen nicht, was unter der Erde alles lebt, wir sehen die Luft nur sehr bedingt, das Leben im Meer ebenso wenig, und wir nehmen die unsichtbare feinstoffliche Schöpfung nur beschränkt und individuell unterschiedlich deutlich wahr. Alle Dimensionen wollen wir achten – die sinnlich wahrnehmbare, sicht- und greifbare Welt wie auch die unsichtbare Welt. Das macht weit, öffnet den Horizont, lässt mehr als Alles erahnen und lässt uns staunen. Wir sind Mitschöpfende im evolutiven Prozess und achten alle Ausformungen des Lebens, mit liebendem Herzen.&nbsp;</p>



<p>Der Weg in die Tiefe öffnet uns für die Verbundenheit mit allem Leben. Im dritten Abschnitt erklären wir uns bereit, dem Leiden nicht auszuweichen, sondern ihm mit Mitgefühl und Herzensweisheit zu begegnen. Die Bodhisattva-Haltung aus der buddhistischen Tradition und das Beispiel von Jesus inspirieren uns dabei.</p>



<p>«Achtsam lebe ich Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander von Menschen aller Geschlechter», so rezitieren wir im vierten Abschnitt. Im ursprünglichen Text war explizit von der Partnerschaft zwischen Frauen und Männern die Rede, was immer wieder zu kritischen Rückmeldungen und Gefühlen des Ausgeschlossenseins führte. In den zwei Jahren unseres Ringens nach stimmigen Formulierungen fand gesellschaftlich ein starker Bewusstseinswandel in Bezug auf Geschlechts­identität statt. Nur wenige Tage nach der Approbation des neuformulierten Ausrichtungstextes haben sich in Deutschland hundert Mitarbeiter*innen der katholischen Kirche zu ihrer sexuellen Ausrichtung geoutet. Ein Zeichen der Zeit also, dass wir in der Neufassung von partnerschaftlichem Miteinander aller Geschlechter sprechen und damit alle Menschen einschliessen.&nbsp;</p>



<p>Im Wissen um die Einheit allen Lebens gehen wir den Weg des Erwachens nicht ausschliesslich für uns selbst. Jeder Prozess der Weitung und Öffnung hat Auswirkungen auf das Menschheitsbewusstsein – heute und in der Zukunft.&nbsp;</p>



<p>Verbunden miteinander können wir den Weg mit Freude und Entschiedenheit gehen, mit einem Ja für die Herausforderungen und Schmerzen und in Offenheit und Dankbarkeit für das geschenkte Glück.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>WAS BRAUCHT DIE WELT HEUTE? – SPIRITUALITÄT UND WELTOFFENHEIT</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 19:03:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Vortrag zum Offenen Frühlingstreffen 21. Mai 2022 in der ökumenischen Gemeinde Halden, St. Gallen Je nach Blickwinkel, aus dem wir die Erde betrachten variiert das, was sich uns zeigt.Schauen wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Vortrag zum Offenen Frühlingstreffen 21. Mai 2022 in der ökumenischen Gemeinde Halden, St. Gallen</strong></p>



<p>Je nach Blickwinkel, aus dem wir die Erde betrachten variiert das, was sich uns zeigt.<br>Schauen wir auf die grossartige Schönheit und Lebenskraft der Erde und des Universums oder fokussieren wir uns auf die Zerstörung, die wir Menschen verursachen?<br>Richten wir unseren Blick auf die Menschen, mit allem Potential von Solidarität, Hingabe und Engagement oder blicken wir auf die menschliche Möglichkeit, zu zerstören und Leben zu missachten?</p>



<p>Was braucht die Welt heute?<br>Ich bin überzeugt, es braucht einen ganzheitlichen Blick, der möglichst alles und mehr als alles sieht. Das Grossartige, Lebensfördernde und das Abgründige, Zerstörerische und gleichzeitig das grosse Geheimnis hinter und in allem.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Zuerst ein Blick auf die <strong>drängenden Fragen</strong>, in denen wir als Menschheit stehen:<br><strong>Krieg</strong> <strong>und Gewalt</strong> – in der Ukraine und in all den vergessenen Gewaltkonflikten in Eritrea, Äthiopien, Mali, Sudan, an der Grenze Mexiko/USA, China im Umgang mit den Uiguren, Tibet,  Afghanistan, Syrien, in verschiedenen Ländern Lateinamerikas….<br><strong>Unser Klima</strong>, das sich menschengemacht so rasant verändert, dass viele Lebensformen die rasche Adaption an die neuen Bedingungen nicht schaffen und aussterben.<br>Die mörderischen <strong>Auswirkungen der Klimaerwärmung</strong> auf verschiedene Gebiete der Erde kennt ihr: Gebiete von Indien leiden unter langen Phasen mit Temperaturen von über 40° Hitze &#8211; mit der Konsequenz, dass alles vertrocknet, die Ernte verdorrt, der Wind die Erde wegweht und damit der Humus verschwindet. Wovon werden die betroffenen Menschen und Tiere leben?<br>Unsere <strong>Gletscher</strong> schmelzen und das <strong>Eis an den Polen</strong> ebenfalls – Lebensraum für Tiere und Menschen wird dadurch zerstört – der <strong>Meeresspiegel steigt</strong> und Bangladesh, Inselstaaten in der Südsee wie Tahiti und viele flache Küsten werden überflutet. Wo gibt es neuen Lebensraum für Mensch und Tier, die vor dem Wasser flüchten müssen?<br>Die<strong> Klimaerhitzung</strong> nimmt rasant zu – die Schritte zum Schutz der Erde sind erschreckend zögerlich – der notwenige Verzicht ist leider kaum ein Thema.<br>Zu wenig <strong>Wasser in Gebieten von Afrika</strong> – Dürren, keine Ernten. Hunger. Gleichzeitig lagern in der Ukraine Millionen von Tonnen Getreide, das nicht ausgeführt werden kann. Heute hungern 700 Mio Menschen, es werden in Kürze sehr viel mehr werden.<br>Fehlendes <strong>Wasser in Asien</strong>, weil westliche Getränkekonzerne die Rechte zur Nutzung des Grundwassers gekauft hat und die Menschen ihr eigenes Wasser in Flaschen kaufen müssen – eine von vielen Formen der groben Missachtung von Mensch und Natur.<br><strong>Ausbeuterische und Lebensraum zerstörende</strong>  Förderung von Bodenschätzen in Drittweltstaaten durch Konzerne aus den Industrieländern…</p>



<p>Müssen wir uns die beschämende Frage stellen: Wie viel Mensch erträgt die Erde?</p>



<p>Wenn wir all diese drängenden Themen betrachten – und es sind längst nicht alle angesprochen – dann erkennen wir, dass&nbsp;<strong>Wandel nur durch Gerechtigkeit, Frieden und Sorgfalt dem gesamten Leben gegenüber</strong>&nbsp;möglich wird. Alle drei Ausrichtungen bedingen sich gegenseitig und sind zutiefst spirituelle Haltungen, genährt aus der Erfahrung der Verbundenheit. Pater Lassalle stellte in seinem Buch ‚Mein Weg zum Zen‘ (Köselverlag) die Frage: Wohin geht der Mensch? Ich zitiere Lassalle:</p>



<p>‚Das Problem des Weltfriedens ist in erster Linie eine Frage des menschlichen Herzens. In der gegenwärtigen Weltstunde kommt der Mensch nicht zur Ruhe, wenn es ihm nicht gelingt, sich die(se) neue Dimension, das neue Bewusstsein zu eigen zu machen. Wir sollten nicht weit von uns entfernt suchen, sondern uns bemühen, im täglichen Leben Menschen des Friedens zu sein. Viele Erscheinungen unserer Zeit sind als die Geburtswehen des neuen Menschen anzusehen. …Gerade an diesem Punkt kommt es auf die Meditation an: vor allem die ungegenständliche Meditation wie Zen befähigt uns, den latenten Dualismus und die daraus resultierende Feindschaft mit der Folge des Krieges aufzufangen und das kosmische Ganze als Einheit zu erfahren. Von dieser Erfahrung der Einheit her wird allmählich die Feindschaft und der Krieg in uns selbst und in unserer Umwelt überwunden‘.</p>



<p>Haben die<strong> Religionen</strong> Antworten für die Themen unserer heutigen Welt?<br>Die Gruppe der Ahmadija-Muslime, die jeden Freitag hier in der Halden beten, betont immer wieder den Grundsatz: Liebe für alle, Hass gegen keinen.<br>Jesus ermuntert uns: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – oder etwas anders formulierte der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber diese Herausforderung: ‚liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du‘. Buddhistisch könnte dieser Satz tönen: ‚Liebe deinen Nächsten, denn er ist du‘.<br>Noch herausfordernder ist die jesuanische Haltung: ‚Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen; segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln‘ (Lk6, 27-29)  Dazu eine Frage: welche Gedanken habe ich zB Vladimir Putin gegenüber? Segnen heisst nicht, alles gutheissen und absegnen. Jedoch,  nähere ich den Unfrieden oder kann ich im Bodhisattvawunsch bleiben: ‚Mögen alle Wesen tiefes Glück erfahren und daraus dem Leben dienen‘?</p>



<p>Was braucht die Welt heute?<br>Diese Frage stellte ich Menschen verschiedenen Alters:<br>30 jähriger Mann: Verständnis und Nähe<br>74 jähriger Mann: Transparenz und Wahrhaftigkeit in meinen Worten, in den Nachrichten<br>67 jährige Frau: Liebe und Sorgfalt<br>30 jährige Frau: Viele Bäume<br>Verschiedene: Frieden<br>5 ½ jähriger Junge, sprudelt ganz spontan: weniger herumfliegen, weniger Bäume abholzen, weniger Beton<br>80 jähriger Mann: Verzicht und Reduktion in den Industrieländern<br>40 jährige Frau: Demut im Bewusstsein, dass der Mensch nicht das Grösste ist.</p>



<p>Die Pandemie, hat uns mit Deutlichkeit gezeigt, dass wir als Menschheit ein Leib sind und dass unsere gemachten Grenzen unwirklich sind – denn ein Virus kümmert sich nicht darum. Ja, auch die vermeintliche Grenze zwischen Mensch und Tier wird ein Stück weit aufgelöst bei der Zoonose, in welcher Viren von den Tieren auf die Menschen überspringen. Das macht uns bewusst, dass alles Leben miteinander verbunden ist. Eine Grundwahrheit, die unser Herz kennt. Alles ist das eine Leben, welches sich in ganz verschiedenen Formen zeigt.</p>



<p>Wir sind auf der ganzen Welt vernetzt durch Wirtschaft und digitale Kommunikation – was noch wachsen muss ist die Globalisierung der Solidarität. Genau dies ist ein Aspekt der Spiritualität: dadurch, dass wir in der Kontemplation die mentalen Ebene lassen und auf die Ichaktivitäten und Ichidentifikation verzichten, gelangen wir in eine immer tiefere Erfahrung der Verbundenheit. Der Weg der Stille führt von der Illusion des abgetrennten Selbst in die ursprüngliche Einheit mit dem Urgrund und damit mit allem Leben. So können wir &#8211; aus der Erfahrung &#8211; mit Albert Schweizer sagen: ‚Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.‘<br>Das Gewebe des Lebens zeigt sich in vielfältiger Form und als eine dieser Lebensformen sind wir verbunden mit allem. Wir sind ganz drin im Gewebe des Lebens, also auch eins mit den Kindern, die unsere nicht mehr brauchbaren Handys auseinandernehmen für den Recyclingprozess und sich dabei verstrahlen und krank werden.Auch sie sind Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.</p>



<p>An der Wand hängt die Kalligraphie von Anna Schindler, die wir nach dem Mittagessen versteigern werden zugunsten von medica mondiale. Wir sehen die Zeichen: <strong>Shin kô.</strong><br>Shin steht für HERZ/ HERZGEIST und das Zeichen Kô zeigt einen Menschen, der DIE ERDE MIT DEM PFLUG LOCKERT. Eine mögliche Übersetzung: Der Mensch lockert die Erde, mit der er im Herzgeist eins ist. – Die Kalligraphie ist also ein Ausdruck der Erfahrung der Einheit allen Lebens. Was auch immer wir tun – wir sind eins damit.<br>In diese Erfahrung trägt uns das Sitzen in der Stille. Wir werden innerlich durchgepflügt, die Verhärtungen lockern sich, das scheinbar Abgetrennte fühlt sich immer verbundener und wir erfahren, dass die Herzmitte der Erde eins ist mit dem eigenen Herzgeist.<br>So erfahren wir: Wer sich nach innen aussetzt, kann sich in Verbundenheit nach aussen einsetzen. </p>



<p>Der bekannte Umweltschützer, Unternehmer, Autor und Aktivist Paul Hawken hielt eine denkwürdige Rede für die Absolventen der Universität von Portland (USA) «Auf der Rückseite Ihres Diploms, das Sie erhalten, ist etwas mit unsichtbarer Tinte geschrieben. Falls Sie keinen Zitronensaft dabeihaben, um die Schrift zu entziffern, kann ich Ihnen sagen, was dort steht: Sie sind brillant, und die Erde stellt Sie ein. Die Erde konnte es sich nicht leisten, Headhunter oder schicke Autos zu Ihrer Uni zu schicken. Sie schickte Ihnen Regen, Sonnenuntergänge, reife Kirschen, nachtblühenden Jasmin und die Lieblingsperson, mit der Sie zusammen sind. Hoffentlich kommt die Botschaft an. Hier ist der Deal:<br>Vergessen Sie, dass die Aufgabe, die Erde zu retten, in der erforderlichen Zeit nicht möglich ist. Lassen Sie sich nicht von Leuten abschrecken, die wissen, was nicht möglich ist. Tun Sie, was getan werden muss, und überprüfen Sie erst, ob es unmöglich war, wenn Sie fertig sind.»<br>Margrit Wenk-Schlegel<br></p>
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		<title>Pfingsten &#8211; ein Gemeinschaftsereignis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 19:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Jüngerinnen und Jünger waren versammelt, traurig, dass Jesus nicht mehr unter ihnen war. Geschlossene Gesellschaft – und in diese Hoffnungslosigkeit hinein geschieht der Einbruch von Ruach, der heiligen Geistkraft. [&#8230;]]]></description>
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<p>Die Jüngerinnen und Jünger waren versammelt, traurig, dass Jesus nicht mehr unter ihnen war. Geschlossene Gesellschaft – und in diese Hoffnungslosigkeit hinein geschieht der Einbruch von Ruach, der heiligen Geistkraft. ‚Geht, wirkt, denn ich bin bei euch – immer…‘, das war die Herausforderung und Ermutigung für die Entmutigten. Und sie wagten es, gingen nach draussen und sprachen von ihrer Erfahrung, begeistert. Ist es da erstaunlich, dass alle sie verstanden, als sie in der Sprache der Erfahrung und des Herzens redeten?</p>



<p>Ob wir Pfingsten etwas vorgezogen haben dieses Jahr am Offenen Frühlingstreffen vom 21. Mai in der ökumenischen Kirche Halden in St. Gallen? Im Nachklang an diese kraftvolle Gemeinschaftserfahrung der via integralis scheint es mir so.</p>



<p>65 Menschen kamen zusammen zum Thema: ‚Was braucht die Welt heute? Spiritualität und Weltoffenheit“. Ein abwechslungsreicher Tag mit Kontemplation, Austausch, Bewegung zu Live-Klaviermusik, feinem indischen Mittagessen, World-café mit gemeinsamem  Suchen und Fragen, Lieder wie “Du mein Gott, nimm alles von mir“ und „Allahu akbar“ (ein Sufimantra) vielstimmig gesungen, informelle Kontakte in den Pausen, viel Lachen und Ernsthaftigkeit, neue Bekanntschaften und Wiedersehen… vor allem aber das verbindende Anliegen und die Überzeugung, dass Innerlichkeit sich äussern will und dass der Weg der Kontemplation in eine immer erfahrbarere Verbundenheit mit allem Leben führt. Mit wachem Geist und offenen Herzen in die Welt zu schauen und aus der tiefen Verbundenheit Antwort zu geben auf die Herausforderungen in der Welt das war der Grundtenor dieses Treffens.</p>



<p>Wie belebend und begeisternd ein solcher Austausch sein kann, spüre ich jetzt auch im Nachhinein. Gemeinschaft mit Menschen ähnlicher Ausrichtung bekräftigt mich, meinem persönlichen Weg treu zu bleiben. Ich bin zutiefst dankbar für alle Menschen, die sich nach innen aussetzen, damit sie sich aus der erfahrenen Verbundenheit nach aussen einsetzen können.</p>



<p>Danke für die gemeinsame Ausrichtung!<br>Am 20. Juni von 9°°-16.30Uhr findet in diesem Kirchenraum ein Kontemplationstag &#8218;Meditieren für den Frieden&#8216; statt. Anmeldung bitte an mich.<br>Margrit Wenk-Schlegel, spirituelle Leitung vi</p>
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		<title>Ostern 2022</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 18:52:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Was, wenn Ostern gar nicht stattfinden würdeweil Krieg und Feindschaft sich verstärken? Wenn Ostern nicht würde,weil Gräber sich nicht leerensondern unschuldig Getötete begraben werdenund Liebende nicht wissen,wo sie die Ruhestätten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Was, wenn Ostern gar nicht stattfinden würde<br>weil Krieg und Feindschaft sich verstärken?</p>



<p>Wenn Ostern nicht würde,<br>weil Gräber sich nicht leeren<br>sondern unschuldig Getötete begraben werden<br>und Liebende nicht wissen,<br>wo sie die Ruhestätten ihrer Liebsten finden?</p>



<p>Was, wenn nicht Ostern würde,<br>weil Trauernde<br>nicht von Engeln mit ihrem Namen angesprochen werden<br>und niemand sagt: Fürchte dich nicht!</p>



<p>Was, wenn nicht Ostern würde,<br>weil niemand den Auftrag bekommt:<br>Geh zurück in deine Heimatstadt und erzähle allen:<br>Das Leben ist stärker als der Tod!</p>



<p>War die Ostererfahrung der Freunde Jesu<br>ein grosser Freudentaumel oder<br>vielmehr ein ungläubiges Staunen?</p>



<p>Und sag &#8211; geschieht denn Ostern heute,<br>wenn Wohnungstüren sich öffnen<br>und Fremde miteinander Leben teilen?</p>



<p>Geschieht Ostern heute,<br>wenn der schwere Stein von den Staatskassen<br>weggerollt und dadurch Hilfe möglich wird?</p>



<p>Ist Ostern dann,<br>wenn Menschen Unbekannten von ihrem Schmerz erzählen<br>und offene Herzen finden?</p>



<p>Wirkt Ostern dann,<br>wenn Menschen Kleider, Tisch und Bett verschenken<br>damit sie dem neuen Leben von Unbekannten dienen?</p>



<p>Könnte Ostererfahrung sein,<br>dass sich die Herzen öffnen in Dankbarkeit<br>für das Geschenk des eignen Lebens<br>und mit dem Wunsch nach Leben in Sicherheit für alle?</p>



<p>Ist Ostern dann,<br>wenn sich die Grabkammer unseres Herzens öffnet<br>für den Wunsch nach Leben in wahrer Fülle für ALLE<br>&#8211; einschliesslich jener, deren Taten Leiden schaffen?</p>



<p>Vollzieht sich Ostern dann,<br>wenn Menschen in der Herzensstille Schmerz mittragen<br>und Mitgefühl und Weisheit leben?</p>



<p>Ist Ostern dann,<br>wenn Kinder fragen: laden wir zu Ostern<br>den Ibrahim aus Eritrea ein?</p>



<p>Wirkt Ostern dann,<br>wenn Menschen neu beginnen<br>im Kleinen und im Grossen<br>und wenn in ihren Herzen die Friedensflamme brennt?</p>



<p>Heisst Ostern singen:<br>Jesus lebt, Jesus lebt…<br>in dir, in mir, im Unbekannten…</p>



<p>Ist Ostern dann, wenn ….</p>



<p>Margrit Wenk-Schlegel</p>
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		<title>Friedensmeditation und Tonglen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 18:50:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich zwei Tage nach Ausbruch des Ukrainekrieges eine Friedensmediation anleitete, äusserte ich den Wunsch, dass diese Brutalität uns ins Bewusstsein rufe, wie viele Wunden und Schmerzzentren in unserem Menschheitsleib [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als ich zwei Tage nach Ausbruch des Ukrainekrieges eine Friedensmediation anleitete, äusserte ich den Wunsch, dass diese Brutalität uns ins Bewusstsein rufe, wie viele Wunden und Schmerzzentren in unserem Menschheitsleib sind: Syrien, Indonesien, Eritrea, Afghanistan, die Uiguren in China, Tibet, Zerstörung der Lebensgrundlagen von indigenen Völkern…<br>Am Ende der Meditation kam eine Teilnehmerin auf mich zu: „Russland hast du vergessen“. Beschämend – und doch gleichzeitig war ich beglückt, als sie mir versicherte, dass sie die ganze Stunde hingegeben habe für Russland und insbesondere für Vladimir Putin.</p>



<p>Die Einheit allen Lebens schmecken wir, wenn wir niemanden mehr ausschliessen, wenn wir unser Mitgefühl nicht einschränken sondern mit allem Leben verbunden sitzen mit dem Wunsch: mögen alle Wesen glücklich sein und in Frieden leben.</p>



<p>Konflikte, Kriege, Gewalt und Ungerechtigkeit können unsere Herzen verhärten oder weiten für den , ihn uns wohnenden Frieden. Die grundlegende Frage ist, ob wir uns entscheiden, uns abzutrennen um uns dadurch vermeintlich zu schützen oder ob wir den Mut aufbringen, auch die Abgründe in uns und in der Welt anzunehmen.</p>



<p>Der tibetische Buddhismus hat eine anspruchsvolle und herzöffnende Meditation entwickelt. Unsere Tendenz als Menschen ist, das Schmerzhafte weghaben zu wollen und das Angenehme herbei zu sehnen. Das Tonglen, eine Mitfühlmeditation aus dem Tibet, ermuntert uns gerade für das Gegenteil: Schmerz und Not beim Einatmen ins Herz aufzunehmen und beim Ausatmen Mitgefühl und Wohlwollen auszuströmen.</p>



<p>Weite Herzenskraft ist gefordert in der Praxis des <strong>Tonglen</strong>:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Sitzen sie in Ihrer gewohnten Meditationshaltung, verbunden mit dem Atem</li><li>Wenn Sie zur Ruhe gekommen sind gehen Sie in den Kontakt mit Ihrem Herzen</li><li>Sie nehmen in Ihrem Herzen die Qualität von Mitgefühl und Liebe wahr und spüren Sie diese Qualität so intensiv wie möglich</li><li>Wenn Sie verankert sind in dieser Herzensqualität, öffnen Sie sich für eine Not von einem Menschen, von Volksgruppen, anderen Lebewesen, von sich selber…</li><li>Nun atmen Sie das Leiden ein in Ihr Herz, empfangen es dort. Beim Ausatmen lassen Sie Mitgefühl, Wohlwollen, Frieden aus ihrem Herzen in diese Not hinein strömen.</li></ul>



<p>So lange, wie es sich als richtig anfühlt</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Nehmen Sie wahr, wie Ihr Herz zu einem Transformator wird zum Wohle leidender Wesen</li><li>Schliessen Sie die Meditation ab in Dankbarkeit, dass das Leben Ihnen die Möglichkeit schenkt, Liebe, Frieden und Mitgefühl zu empfinden.</li></ul>



<p>Der Weg der Stille und die Ausrichtung unserer Kräfte strahlen in die Welt. Die Energiefelder, die wir nähren, wirken sich aus in die Welt.</p>



<p>Mögen alle Wesen in Frieden, Würde und Geborgenheit leben können und glücklich sein.</p>



<p>Danke für Ihre Verbundenheit in der Stille zum Wohle aller Wesen</p>



<p>Margrit Wenk-Schlegel</p>
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		<title>Spiritueller Impuls zum Newsletter Juni 22</title>
		<link>https://margritwenk.ch/spiritueller-impuls-zum-newsletter-juni-22/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 18:45:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Die erschütternden Ereignisse der letzten Monate zeigen, wie viel in unserem Menschheitsbewusstsein noch fehlt, bis sich die Illusion des Getrenntseins aufgelöst hat und wir uns als eins mit allem Leben [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<p>Die erschütternden Ereignisse der letzten Monate zeigen, wie viel in unserem Menschheitsbewusstsein noch fehlt, bis sich die Illusion des Getrenntseins aufgelöst hat und wir uns als eins mit allem Leben erfahren.&nbsp;</p>



<p>Der Krieg in unserer Nähe kann unseren Blick auf dieses Ereignis einengen oder uns aufwecken, die vielen gewaltvollen Konflikte in der Welt wahrzunehmen. Krieg entsteht aus der Illusion der Trennung. Aus der Erfahrung der Einheit wollen wir dem Leben dienen –&nbsp;als Ausdruck unseres wahren Wesens. Damit die dadurch freiwerdenden Energien in eine lebensfördernde Richtung gelenkt werden, brauchen wir eine verbindliche Ethik.&nbsp;</p>



<p>Der Blick in die Welt ist somit ein Blick ins menschliche Bewusstsein und zeigt uns, wie Not-wendend es ist, zu erwachen und all unsere Kräfte auf Liebe, Frieden und Gerechtigkeit auszurichten.&nbsp;</p>



<p>Menschen auf dem Weg der Kontemplation via integralis rezitieren täglich den Text der Ausrichtung der Kräfte. Er entstand 2011 in der ersten Gruppe von Lehrenden als Antwort auf die Frage, auf welche ethische Grundlage wir unsere Meditationspraxis stellen. Da einzelne Textstellen nie ganz zur Ruhe kamen, bildete sich im September&nbsp;2019 eine Arbeitsgruppe, um neue Formulierungen für diese Stellen zu finden. Nach tiefgreifender Auseinandersetzung mit den dahinter liegenden Themen und intensivem Ringen um stimmige Ausdrucksformen entstand nachfolgender Text, der im Februar&nbsp;2022 in der Jahresversammlung der Lehrenden der via integralis als verbindlich angenommen wurde:</p>



<p><strong>Ausrichtung der Kräfte</strong></p>



<figure class="wp-block-table"><table><tbody><tr><td><strong>Eins mit DIR,<br></strong>Urgrund allen Lebens,&nbsp;<br>diene ich der Menschheit,&nbsp;&nbsp;<br>der Erde und dem Kosmos.&nbsp;&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Mit liebendem Herzen&nbsp;&nbsp;<br></strong>setze ich mich ein&nbsp;&nbsp;<br>für Gerechtigkeit und Frieden in mir,&nbsp;<br>in meinen Beziehungen und<br>in der Welt<br>und achte alle Dimensionen der Schöpfung.&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Zum Wohle leidender Wesen</strong><br>in Armut, Gewalt und Schmerz<br>verkörpere ich Mitgefühl<br>und traue der göttlichen Weisheit in mir.&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Achtsam lebe ich&nbsp;<br></strong>Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander<br>von Menschen aller Geschlechter,<br>Religionen und Kulturen,<br>Technik und Natur.&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Ich bin bereit,</strong>&nbsp;&nbsp;<br>in Verantwortung für kommende Generationen&nbsp;<br>den Weg des Erwachens zu gehen,&nbsp;<br>Glück und&nbsp;Mühsal des Wachsens anzunehmen&nbsp;<br>und wahrhaft liebend zu werden.&nbsp;&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>Göttlicher Urgrund&nbsp;</strong>&nbsp;<br>lass mich erfahren,&nbsp;<br>dass Dein ICH BIN&nbsp;<br>mein ICH BIN ist.&nbsp;&nbsp;</td></tr></tbody></table></figure>



<p>Mit der Rezitation dieses Textes aktivieren wir das Bewusstsein der Einheit mit dem Urgrund allen Lebens. Unsere Wesensnatur ist das EINE, form- und gestaltlos, welches sich in jeder Form und Gestalt zeigt. Mit der Bekräftigung dieser Ureinheit beginnen wir die Rezitation und beten doch am Schluss um die Erfahrung dessen, was schon ist. Unsere Wesensnatur ist das EINE und gleichzeitig braucht es den Weg des Erwachens. Im grossen ICH&nbsp;BIN wird jedes Gefangensein im kleinen egozentrischen Ich überstiegen. Aus dieser erfahrenen Einheit setzen wir unsere Kräfte ein und gestalten das Leben und die Welt, damit das Reich Gottes erfahrbar werde für alle.</p>



<p>Von der konkreten Ausrichtung unserer Kräfte im Dienste des Lebens handeln die mittleren vier Abschnitte des Textes. Wir pflegen ganz bewusst die in uns angelegten Samen von Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Mitgefühl, Weisheit, Achtsamkeit und Achtung in allen Lebensbereichen:</p>



<p>Mit liebendem Herzen&nbsp;setzen wir uns für Gerechtigkeit und Frieden in uns selbst und nach aussen ein. Im Wissen um die Einheit allen Lebens erkennen wir, dass unser Bewusstsein, unser Tun und Lassen Auswirkungen hat auf unsere Beziehungen und auf die Weltsituation.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Mit dem Verb ‚achten‘ versprechen wir einen achtsamen, respektvollen, würdigenden, auch schützenden und wertschätzenden Umgang mit allem, was wir in den verschiedensten Dimensionen des Lebens vorfinden. Das entspricht unserer Praxis der Achtsamkeit. Damit drücken wir aus, dass wir nie die ganze Schöpfung wahrnehmen können: Wir sehen nicht, was unter der Erde alles lebt, wir sehen die Luft nur sehr bedingt, das Leben im Meer ebenso wenig, und wir nehmen die unsichtbare feinstoffliche Schöpfung nur beschränkt und individuell unterschiedlich deutlich wahr. Alle Dimensionen wollen wir achten – die sinnlich wahrnehmbare, sicht- und greifbare Welt wie auch die unsichtbare Welt. Das macht weit, öffnet den Horizont, lässt mehr als Alles erahnen und lässt uns staunen. Wir sind Mitschöpfende im evolutiven Prozess und achten alle Ausformungen des Lebens, mit liebendem Herzen.&nbsp;</p>



<p>Der Weg in die Tiefe öffnet uns für die Verbundenheit mit allem Leben. Im dritten Abschnitt erklären wir uns bereit, dem Leiden nicht auszuweichen, sondern ihm mit Mitgefühl und Herzensweisheit zu begegnen. Die Bodhisattva-Haltung aus der buddhistischen Tradition und das Beispiel von Jesus inspirieren uns dabei.</p>



<p>«Achtsam lebe ich Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander von Menschen aller Geschlechter», so rezitieren wir im vierten Abschnitt. Im ursprünglichen Text war explizit von der Partnerschaft zwischen Frauen und Männern die Rede, was immer wieder zu kritischen Rückmeldungen und Gefühlen des Ausgeschlossenseins führte. In den zwei Jahren unseres Ringens nach stimmigen Formulierungen fand gesellschaftlich ein starker Bewusstseinswandel in Bezug auf Geschlechts­identität statt. Nur wenige Tage nach der Approbation des neuformulierten Ausrichtungstextes haben sich in Deutschland hundert Mitarbeiter*innen der katholischen Kirche zu ihrer sexuellen Ausrichtung geoutet. Ein Zeichen der Zeit also, dass wir in der Neufassung von partnerschaftlichem Miteinander aller Geschlechter sprechen und damit alle Menschen einschliessen.&nbsp;</p>



<p>Im Wissen um die Einheit allen Lebens gehen wir den Weg des Erwachens nicht ausschliesslich für uns selbst. Jeder Prozess der Weitung und Öffnung hat Auswirkungen auf das Menschheitsbewusstsein – heute und in der Zukunft.&nbsp;</p>



<p>Verbunden miteinander können wir den Weg mit Freude und Entschiedenheit gehen, mit einem Ja für die Herausforderungen und Schmerzen und in Offenheit und Dankbarkeit für das geschenkte Glück.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="block-3b253dc3-c112-4052-9d4a-3df3a4420db4"><strong>Regula Tanner und Margrit Wenk-Schlegel,<br>spirituelle Leitung der via integralis</strong></h4>



<p></p>
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		<title>Pfingstfeuer</title>
		<link>https://margritwenk.ch/pfingstfeuer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jun 2021 09:02:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Da sitzen sieeingeschlossenin den Mauernder Angstund Feuerfällt vom Himmelauf ihren Scheitelden offenen Ruachdie Geistkraft Gottesdurchflutet sieSie weinenob ihrer harten Herzenund ihrer Engeund werden weichDas Feuer brenntsich durch ihre Ängsteentbrennt sieentflammt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/06/feuer.jpg" alt="" class="wp-image-601" width="263" height="395" srcset="https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/06/feuer.jpg 500w, https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/06/feuer-200x300.jpg 200w" sizes="(max-width: 263px) 100vw, 263px" /></figure>



<p>Da sitzen sie<br>eingeschlossen<br>in den Mauern<br>der Angst<br>und Feuer<br>fällt vom Himmel<br>auf ihren Scheitel<br>den offenen</p>



<p>Ruach<br>die Geistkraft Gottes<br>durchflutet sie<br>Sie weinen<br>ob ihrer harten Herzen<br>und ihrer Enge<br>und werden weich<br>Das Feuer brennt<br>sich durch ihre Ängste<br>entbrennt sie<br>entflammt sie<br>Sie werden Feuer</p>



<span id="more-495"></span>



<p>Und ihr Mund<br>wird Gottes Mund<br>und sie reden<br>ihre ursprüngliche Sprache<br>die Sprache des Herzens<br>und plötzlich<br>verstehen sie sich<br>die Franzosen und Deutschen<br>die Menschen aus Syrien<br>verstehen die Schweizerinnen<br>die Afghaninnen und die Iraner<br>verstehen sich<br>und die Flüchtlinge<br>aus Eritrea verstehen<br>dass sie Platz haben<br>in der neuen Heimat<br>denn sie alle verstehen<br>die Sprache des Herzens<br>die von den brennenden<br>Zungen gesprochen wird<br>den Zungen<br>die brennen</p>



<p>den Zungen<br>entzündet vom Geist der Liebe<br>den Zungen<br>die das Feuer Gottes schmecken<br>und nicht anders können<br>als brennen<br>denn Liebe<br>die brennt</p>



<p>Und plötzlich<br>erhebt sich ein Brausen<br>durch die Gesellschaft<br>und die Türen öffnen sich<br>von Ämtern, Kirchen und Häusern<br>und die Einsamen<br>hören das Brausen<br>sie treten hinaus<br>und laden zu Tisch<br>und sie sitzen zusammen<br>und brechen das Brot<br>die Schwarzen Gelben<br>Roten und Weissen<br>und es hat genug<br>für alle<br>und sie trinken das Wasser<br>aus Quellen<br>die keinem gehören<br>Geschenk von der Erde<br>für alle<br>Und sie holen die Waffen<br>aus ihren Herzen<br>und werfen sie<br>ins Feuer der Liebe<br>das alle erwärmt<br>und die Herzen<br>tauen auf<br>und nicht die Gletscher<br>denn alle wissen<br>wir sind ein Teil dieser Erde<br>und das Leben ist eines.</p>



<p>Möge Pfingsten in uns wirken und ein Tätigkeitswort des Herzens sein.</p>



<p>Es pfingstet!<br>Margrit Wenk-Schlegel, spirituelle Leitung via integralis</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Menschen sind Wesen mit zwei Flügeln – oder das Gegensätzliche macht uns ganz</title>
		<link>https://margritwenk.ch/menschen-sind-wesen-mit-zwei-fluegeln-oder-das-gegensaetzliche-macht-uns-ganz/</link>
					<comments>https://margritwenk.ch/menschen-sind-wesen-mit-zwei-fluegeln-oder-das-gegensaetzliche-macht-uns-ganz/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Feb 2021 11:07:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor gut 30 Jahren stand ich vor einer Entscheidung: dreijährige Therapieweiterbildung  oder Zenschulung. Mich therapeutisch weiterzubilden hiesse, Menschen besser und kompetenter zu begleiten in ihren Heilungs- und Selbstfindungsprozessen. Doch, mein [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="778" height="778" src="https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/02/meditationbild.jpg" alt="" class="wp-image-481" srcset="https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/02/meditationbild.jpg 778w, https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/02/meditationbild-300x300.jpg 300w, https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/02/meditationbild-150x150.jpg 150w, https://margritwenk.ch/wp-content/uploads/2021/02/meditationbild-768x768.jpg 768w" sizes="(max-width: 778px) 100vw, 778px" /><figcaption>Verena Sieber-Merz, St. Gallen</figcaption></figure>



<p>Vor gut 30 Jahren stand ich vor einer Entscheidung: dreijährige Therapieweiterbildung  oder Zenschulung. Mich therapeutisch weiterzubilden hiesse, Menschen besser und kompetenter zu begleiten in ihren Heilungs- und Selbstfindungsprozessen. Doch, mein Herz zog es in die Stille. Ein egoistischer Entscheid? Mit allen Kräften liess ich mich ein auf den stark männlich strukturierten Zenweg  – und zu meinem Erstaunen flossen dadurch  vermehrt weibliche Qualitäten in meine therapeutische Arbeit: mehr Zeit zum Nachklingenlassen, Pausen, in denen nichts war als achtsames Atmen, ich selber weniger aktiv,  präsenter und im Vertrauen auf die innere Führung meines Gegenübers. Kein Wunder, die Prozesse vertieften sich. Meine Ausrichtung nach innen hatte rasch Auswirkungen nach aussen.</p>



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<p>Nach langer Zenschulung folgte die Ausbildung zur Kontemplationslehrerin. &nbsp;Auf meinem &nbsp;Übungsweg und in der Begleitung von Menschen erlebe ich, dass die Innenschau uns öffnet für die Weite des Lebens.<br>Kontemplation via integralis ist eine Verbindung von Zazen und den Erfahrungswegen der christlichen Mystik. Immer tiefer begreife ich, dass sich darin das Weibliche und Männliche verbinden. Der männlich strukturierte Tagesablauf in den Retreats schafft Raum für weibliche Qualitäten wie Offenheit und Empfänglichkeit. Beim Sitzen in Achtsamkeit entwickelt sich das männlich Entschiedene und gleichzeitig die weibliche Hingabe und Absichtslosigkeit. Ein scheinbares Paradox. Wenn wir alle Sinne auf einen Punkt bringen und ausschliesslich in diesem Atemzug präsent sind,&nbsp; wird die in uns wohnende Weite und Grenzenlosigkeit erfahrbar.</p>



<p>Integrierte Gegenpole lassen uns ganz werden. Dass das auch &nbsp;für Gesellschaften und Kirchen gilt, davon bin ich überzeugt. Mann und Frau, Dunkel und Hell, Reich und Arm, Nord und Süd – nur gemeinsam sind wir ganz: Leib Christi. Wenn eine Seite dominant ist, droht das Schiff des Lebens zu kippen.</p>



<p>So ist es für mich immer wieder ein beglückendes Erleben, wenn Frau und Mann gleichwertig am Altar stehen in den ökumenischen Gottesdiensten. ‚Als sein Ebenbild schuf Gott sie, als Frau und Mann‘.</p>



<p>Margrit Wenk-Schlegel, St. Gallen<br>Kontemplationslehrerin / Spirituelle Leitung der Lassalle-Kontemplationsschule &nbsp;via integralis</p>
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		<title>Antrittsreferat zur Ernennung in die spirituelle Leitung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Margrit Wenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jan 2021 17:42:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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<h2 class="wp-block-heading">7. bis 9.&nbsp;Februar&nbsp;2020 in der Propstei Wislikofen</h2>



<p>Mein grosser Dank gilt Euch, Hildegard und Bernhard für das Vertrauen, das Ihr uns entgegenbringt. Regula, ich freue mich, mit Dir zusammenzuarbeiten und zu gestalten auch verbunden mit Dir, Juris, unserem Bruder aus Lettland. Danke allen Lehrer*innen fürs Mittragen und Mitarbeiten in den vergangenen Jahren. Um dieses Miteinander bitte ich Euch auch in Zukunft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Persönliche Vorstellung</h3>



<p>Schon als Kleinkind war ich ein Heimwehkind. Eine brennende Sehnsucht nach der vermeintlich verlorenen Heimat in der geistigen Welt bestimmte mein Leben. Dieses Sehnen liess eine Krankheit entstehen, die mich immer wieder in Nahtoderfahrungen brachte, als Kind und Erwachsene. So war ich eine Grenzgängerin, bis ich erfuhr, dass ich nicht sterben muss um wieder in die ursprüngliche Einheit mit Gott zu kommen. Danach wurde auch meine Krankheit diagnostiziert, und seither bin ich gesund und lebe sehr gerne. Schon als Jugendliche suchte ich die Stille in Taizé, bei den Kleinen Schwestern Jesu, in Mediationskursen. Im Erwachsenenalter war diese Suchbewegung begleitet von heftigen Kundalini-Schüben. Wie glücklich war ich, als ich nach Jahren der Suche&nbsp;endlich in Pia Gyger meine Lehrerin fand. Sie half mir, Erfahrungen zu verstehen und zu integrieren. Seit 41 Jahren bin dich verheiratet mit Charlie. Wir sind Eltern von drei erwachsenen Kindern und drei Sternenkindern und erleben grosse Freude mit unseren vier Enkeln. Ein Riesengeschenk ist es für mich, dass Charlie in allen Kontemplationskursen assistiert und mit seiner Herzenskreativität die Gottesdienste gestaltet.&nbsp;Dreieinhalb Jahre lebten und arbeiteten wir in Kolumbien&nbsp;und erlebten dort eine ganz natürliche Verbindung von Spiritualität und sozialem Engagement. Der Kontakt mit Armut, Gewalt und der Befreiungstheologie hat uns nachhaltig geprägt. Viele Lieder der Landbevölkerung drücken tiefe Erfahrungen aus: „Der Name Gottes heute ist Dolores, Chepe, Berta, Jose, Araceli…“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Blick auf die via integralis</h3>



<p>In Dankbarkeit denke ich an Pia Gyger und Niklaus Brantschen, unsere Gründungseltern, die uns diesen Weg eröffnet haben. Sie haben langjährige Schülerinnen und Schüler in die erste Ausbildungsgruppe zusammengerufen. Durch das Erkunden des alten/neuen Weges entstand viel Dynamik. Alles musste neu definiert werden. Der neue, gärende Wein suchte sein Gefäss, das noch nicht so klar geformt war. Was haben wir gerungen, diskutiert, uns auseinandergesetzt, erarbeitet, verworfen, ausprobiert, festgelegt, erneuert…! Es hat oft geschäumt. Anregend und manchmal auch aufregend.&nbsp;Dabei habe ich die Kultur des Sich-zumutens gelernt.&nbsp;Bernhard und Hildegard, nachdem Pia und Niklaus Euch die Verantwortung für die via integralis übertragen haben, habt ihr in Zusammenarbeit mit vielen den Organismus mit viel Herzblut ausgestaltet, habt Strukturen geklärt, Inhalte eingebracht und die Leitung in einer geschwisterlichen Art gestaltet. Ganz grossen, herzlichen Dank für das Leben, das Ihr gestaltet und ermöglicht habt! Wenn ich die vielen Angebote unserer Lehrer*innen sehe, freue ich mich, welche Anziehungskraft die via integralis ausstrahlt für den kraftvollen Weg nach innen und dem daraus erwachsenden Engagement für die Welt – ganz nach der Erfahrung: „Wer Gott umarmt, findet in seinen Armen die Welt“. Vermutlich hat jeder Lehrer, jede Lehrerin eine persönliche Vorliebe und Resonanz mit bestimmten Mystiker*innen oder Zenmenschen.&nbsp;<strong>Meine grosse Liebe gilt den beiden “interreligiösen Brüdern“ Franz von Assisi&nbsp;und&nbsp;Ryokan</strong>. Sie sind für mich Leitbilder der totalen Hingabe an die Innerlichkeit, immer neu hinein in die Tiefenerfahrung der Erleuchtung und der Gottesbegegnung. In beiden brannte eine sanfte und doch lodernde Flamme der Liebe zum Urgrund und gleichzeitig – oder gerade aus dieser Erfahrung heraus – eine brennende Liebe für die Welt und ein grosses Mitgefühl für die Menschen und alle Geschöpfe. Beide waren Vagabunden der Liebe und begeisterte, schlichte und einfache Botschafter der Verbundenheit mit allen Wesen. Franziskus und Ryokan gingen mit offenen Augen durchs Leben. Ihre Herzen waren durch das Leiden und die Liebe weit geöffnet. Aus dieser Offenheit heraus lebten sie eine tiefe Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens, die in verschiedenen Formen aus ihnen heraussprudelte. In befreiender Demut und Hingabe dienten sie dem Leben. Der Kernsatz von Franz von Assisi, der mich immer wieder herausfordert in meinem Leben, ist:&nbsp;<strong>„Lass mich ein Werkzeug deines Friedens sein.“</strong>&nbsp;Von Ryokan ist es ein befreiender Satz, der uns ermuntert, ganz einfach Mensch zu sein, nicht perfekt und vollkommen, sondern gütig und barmherzig und doch konsequent auf dem Weg:&nbsp;<strong>„die Hose zu kurz, das Hemd zu lang, mir freundlich zulächelnd versuche ich, meinen Weg geradeaus weiterzugehen.“</strong>&nbsp;Gehen wir verbunden miteinander den Weg geradeaus weiter, den Weg des persönlichen Erwachens und des Begleitens von Menschen auf diesem Weg. Machen wir Schritte im Wissen, dass wir ein Teil der Menschheit sind im Prozess der Bewusstseinsöffnung, der hoffentlich immer tiefer in die Verbundenheit mit allem Leben führt. Möge unser gemeinsamer Weg ein fruchtbarer und kraftvoller Dienst an der Menschheit und für den Frieden in der Welt sein. Lasst uns Werkzeuge des göttlichen Friedens sein, auch wenn das Hemd zu lang und die Hose zu kurz ist.</p>
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